Eva

Eva, 21 Jahre,
gelernte KFZ-Mechatronikerin, studiert Wirtschaftsingenieurwesen.
Sie hat 2011 an der Talenteschmiede teilgenommen.

Was machst Du zur Zeit?

Ich studiere seit Oktober Wirtschaftsingenieurwesen an der Uni in Karlsruhe und bin gerade in der ersten Klausuren-Phase meines ersten Semesters und es läuft eigentlich ganz gut. Macht Spaß... Vor dem Studium habe ich eine Ausbildung gemacht als KFZ-Mechatronikerin; da musste ich ins Lernen erst wieder reinkommen, weil das Abi schon ein Weilchen her ist.

Womit beschäftigst Du Dich am liebsten, wenn Du frei hast?

Ich engagiere mich in der Pioniergarage, das ist eine Hochschulgruppe, die sich mit dem Thema »Gründen« beschäftigt. Momentan bin ich dabei diese Gruppe der Uni Karlsruhe und das CIE-Center für Innovation und Entrepreneurship —die speziell für gründungsinteressierte junge Start-ups da sind und denen tatkräftig zur Seite stehen— mit den EntrepreneurTalenten zu vernetzen, die sich ja genau auch mit diesen Themen befassen. Laut dem Test bin ich auch ein EntrepreneurTalent, aber eben nicht aus Baden-Württemberg und darum nicht bei dieser Gruppe dabei. Das Thema interessiert mich —ich komme aus einer Unternehmerfamilie— und ich kann mir gut vorstellen, auch selbstständig zu sein. Beim Seminar der Talenteschmiede wurde das auch bestätigt.

In meiner Freizeit singe ich sehr gerne und möchte bald wieder Gesangsstunden nehmen. Wenn man einen Familienbetrieb hat, ist es selbstverständlich, dass man da mithilft, wenn was ansteht, bei Veranstaltungen zum Beispiel. Ich organisiere gerne und unterstütze meine Mutter bei der »Talenteschmiede Cochem«. Außerdem unterstütze ich den RotaractClub Mittelmosel, eine Jugendorganisation der Rotarier in Cochem, aktiv und habe den im letzten Jahr mit gegründet. »Kontaktfreudigkeit« ist eines meiner Talente und ich versuche auch während dem Studium, so viel wie möglich mit meinen Freunden zu machen.

Was hast Du in nächster Zeit für Pläne?

Ich werde mich auf mein Studium konzentrieren und im zweiten Semester früher mit Lernen anfangen. Weiterhin möchte ich meine Mama unterstützen bei der »Talenteschmiede«, für die der Förderantrag gerade in Berlin liegt. In der »Pioniergarage« habe ich mich jetzt zur Wahl stellen lassen als Finanzvorstand, weil ich mich auf jeden Fall engagieren will. Bei diesem Posten lerne ich dann auch Buchhaltung richtig kennen und weiß, was so abgeht. Das wird eine Herausforderung, weil ich das ja noch nie gemacht habe, aber das wird bestimmt gut. Mir ist Klarheit wichtig und ich bin neugierig und wenn man so einen Posten inne hat, dann bekommt man eben richtig Einblick und somit Sicherheit. So kann man dann auch Dinge verändern.

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben? Was für ein Mensch bist Du?

Ich bin ein sehr werteorientierter Mensch. Werte wie z.B. »Ehrlichkeit« sind mir sehr wichtig. Ich bin sehr lebenslustig. Durch gewisse Erfahrungen in meinem Leben habe ich gelernt, dass wir uns oft so unnötig über Kleinigkeiten aufregen. Wenn man in Deutschland lebt, so wie ich hier studieren oder arbeiten kann, dann geht es uns doch so gut! Da ist es doch überflüssig, sich über den Nachbarn aufzuregen, nur weil der falsch geparkt hat! Ich versuche also, die wichtigen und nichtigen Dinge zu unterscheiden. Ich bin ein sehr positiver Mensch und extrovertiert. Neue Leute kennenzulernen fällt mir leicht und es gefällt mir, ins Gespräch zu gehen.

Außerdem bin ich kreativ und... ja, eigenwillig. Ich habe ein großes Bedürfnis nach Selbstbestimmung, bin aber auch sehr herzlich. Eines meiner Talente ist »Bindungsvermögen«, das bedeutet, dass mir Freunde und Familie sehr wichtig sind.

Du hast 2011 an einem Seminar der Talenteschmiede teilgenommen. Wie hast Du das Seminar erlebt?

Wunderschön. So positiv! In der Schule habe ich mal einen Aufsatz über »Positive Psychologie« geschrieben, wo ja auch der Fokus auf den Stärken liegt, nicht auf den Schwächen. Und so war auch das Seminar, es ging nicht um das, was ich nicht kann, sondern um das, was ich kann. Das war sehr motivierend und selbstbewusstseins-stärkend. Als es am Ende darum ging, aus den verschiedenen Kompetenzfeldern zu wählen und das Wesentlich herauszuziehen, fiel mir das nicht leicht. Da habe ich lange überlegt bis der Mentor dann sagte: »So Evi, jetzt aber los«. Ich habe halt gedacht: »Was, wenn ich mich jetzt falsch entscheide, was ist dann nachher?«

Aber nee, ich fand’s wirklich sehr sehr gut und ich finde dieses Filtern aus all den verschiedenen Feldern echt wichtig, dass auch die Interessen eine Bedeutung haben. Denn es gibt wirklich Sachen, die kann man zwar super gut, aber trotzdem macht man die nicht gerne. Und damit wird das eben ausgeschlossen.

Beschreib mir, was das Entdecken deiner Talente bei Dir ausgelöst hat. Was bedeutet es für Dich, Dir Deiner Talente bewusst zu sein?

Wie schon gesagt, brauche ich sehr viel Klarheit. Aber manchmal bin ich nicht so entscheidungswillig, weil ich mir immer über die Folgen Gedanken mache und fürchte, mich falsch zu entscheiden. Seit der »Talenteschmiede« habe ich viel mehr Sicherheit, z.B. auch beim Studium, obwohl es Phasen oder Fächer gibt, die mir vielleicht nicht so liegen, so weiß ich doch genau, dass das Studium an sich, genau richtig für mich ist, dass ich auf etwas hinarbeite, was genau zu mir passt. Der Weg dahin mag zwar mal nicht so passen, weil vielleicht ein Modul drin ist, was ich nicht so schön finde, aber letzten Endes weiß ich genau, dass das, worauf ich hinarbeite, passt. Diese Klarheit finde ich sehr schön. Es hilft, sich selbst zu finden und zu definieren. Überhaupt war es gut, sich mal so intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, wie zum Beispiel bei der Selbsteinschätzung.

Welches Talent ist für Dich besonders wichtig?

Die Vorstellungskraft ist mein Lieblingstalent. Wenn man Vorstellungskraft hat, dann glaubt man daran, dass alles möglich ist. Ich arbeite gerne auf ein größeres Ziel hin und finde es sehr schade, wenn jemand keine Träume hat.

Wie hast Du diese Erfahrung weitergegeben z.B. an Freunde, Familie, Lehrer etc.?

Ich habe erzählt, wie gut es mir damit geht - immer wenn ich daran denke und wie begeistert ich bin, dass ich diese Talente habe. Es begeistert mich, dass jeder Mensch Talente hat und die ganz anders als meine sein können. In unserer Gesellschaft werden ja oft Äußerlichkeiten mit Wertigkeit gleichgesetzt z. B. besonders dünn zu sein oder schöne, lange Haare zu haben oder ein tolles Auto zu fahren. Durch den Talentefilter kann jeder herausfinden, worin er richtig klasse ist, das stärkt das Selbstwertgefühl. Es spielt überhaupt keine Rolle, welche Talente man hat, denn in unserer Welt werden alle gebraucht. Das erzähle ich den anderen.

Wie gehst Du seither mit Deinen Stärken und Schwächen um?

Manchmal trete ich so ein bisschen neben mich und denke: »Aha! Da war es wieder!« Es gibt auch Talente, die einen ein bisschen drängen, z.B. meine Talent »Bindungsvermögen«. Wenn ich jemanden kennen lerne, den ich gut finde, dann möchte ich sofort einen näheren Kontakt aufbauen. Dabei muss man aber akzeptieren, dass der andere nicht unbedingt auch dieses Bedürfnis hat oder dieses Talent. Das ist auch bei der »Höchstleitung« so – ich verlange nicht nur von mir viel, sondern auch von den anderen und da muss man aufpassen. Auch, dass es mich selbst nicht kaputt macht, weil ich eben so perfektionistisch bin. Weil ich aber um dieses Talent weiß, kann ich mit dem Perfektionismus besser umgehen und werde gelassener.

Wie haben sich diese Erkenntnisse auf Deine Berufswahl ausgewirkt? Gab es ein »vor dem Seminar« und ein »nach dem Seminar«?

Es gab schon vor dem Seminar zwei Richtungen, die mich interessiert haben. Das eine war Wirtschaftsingenieurwesen und das andere Eventmanagement. Im Autohaus habe ich immer schon gerne Veranstaltungen organisiert, wo ich kreativ sein kann und auch mal auf der Bühne stehe und moderiere. Beim Seminar haben wir dann entschieden, dass ich beides machen werde, indem ich Wirtschaftsingenieurwesen studiere und nebenbei meine kreative Seite lebe, also eine Multilevelkarriere mit dem Ziel, später mal beides zu verbinden. Vorher wusste ich nicht, wie ich diese beiden Seiten unter einen Hut bringen soll. Und jetzt mache ich es so. Mein Engagement in der Hochschulgruppe ermöglicht mir, vor Leuten zu sprechen, zu planen und zu organisieren. Das tut gut. Es muss ja auch Wirtschaftsingenieure geben, die große Events für Firmen planen können, aber auch über den Hintergrund Bescheid wissen.

Hat sich seither etwas in deiner Wahrnehmung gegenüber Deinen Mitmenschen verändert?

Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel hat eine gute Freundin von mir das Talent »Anpassungsfähigkeit« und früher fand ich das ein bisschen nervig, dass es ihr immer egal war, wenn ich sie gefragt habe, was wir machen sollen. Ich hab gedacht: »Mensch, Du musst doch ´ne Meinung haben! Worauf hast Du denn jetzt Lust?« Jetzt weiß ich, dass das ein Talent ist und nicht bedeutet, dass sie keine Meinung hat. Seit dem Seminar habe ich mich mit den unterschiedlichen Talenten, die es gibt, befasst. Mit meinen Talenten fühle ich mich pudelwohl, kann aber inzwischen akzeptieren, dass nicht alle das gerne machen wollen, was ich gerne mache.

Wie würdest Du, ganz allgemein, Deine Einstellung beschreiben?

Positiv und nach vorne gerichtet, werteorientiert wie z.B. Anstand, ja, und »laut«, damit meine ich, dass ich meine Meinung sage und die Dinge ausspreche. Ich finde es grausam, wenn Unausgesprochenes im Raum steht. Ja, und ich bin präsent, ich bin da. Im Hier und Jetzt. Das ist das, was eigentlich zählt.

War Deine Einstellung auch mal anders, gab es da Veränderungen? Wodurch wurden die ausgelöst?

Ja. Wir haben schwere Zeiten in der Familie erlebt und das hat mich wachgerüttelt und mir gezeigt, worum es im Leben wirklich geht. Das, was man an Schönem hat, sollte man genießen und schätzen, denn es ist vielleicht nicht für immer so. Dankbar sein, für das, was man hat, darum geht es: die Familie, ein warmes Haus, ein leckeres Essen, ein Stück Schokolade.

Was kann Dich richtig begeistern?

Ich segle Katamaran und fahre unheimlich gerne Ski, das kann mich begeistern. Vor allem die Geschwindigkeit. Neue Menschen kennenzulernen ist spannend, ins Gespräch zu gehen, denen zuzuhören, die was zu sagen haben.

Es begeistert mich, wenn verschiedene Menschen mit ihren Ideen zusammen was Großes schaffen können. Durch meine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin bin ich auch sehr begeistert von Fahrzeugen. Zu sehen, dass die jahrhundertelange Erfahrungen von ganz verschiedenen Menschen so tolle Sachen schaffen können, dass ist großartig. Wenn man sich so ein Getriebe anschaut, was da drin alles abgeht, wie viele wunderbare Ideen darin umgesetzt sind, was für ein geniales Gerät so ein Auto ist! Das begeistert mich!

Worauf freust Du Dich in nächster Zukunft am meisten?

Ich freue mich drauf zu sehen, wie sich die »Talenteschmiede« bei uns in Cochem entwickelt. Ich freue mich auf das Ende der Klausuren. Ich freue mich darauf, neue Leute kennenzulernen, was durch meine Aktivitäten in der Hochschule momentan jede Woche passiert. Und ich freue mich darauf, was ich im Studium noch alles lernen werde.

Wo möchtest Du in zehn Jahren stehen?

Ich wäre gerne mit einem tollen Mann zusammen und möchte in einem Job arbeiten, wo ich meine Talente einsetzen und meine beiden Schwerpunkte verbinden kann. Ob ich hier oder im Ausland sein werde, wer weiß. Ich lasse das auf mich zukommen. Man sollte sich nicht zu sehr verplanen. Wer weiß, wem ich begegne oder mit welcher wunderbaren Idee ich mich selbstständig mache.

Was würdest Du sagen: Worauf kommt es an im Leben?

Wertschätzung, Dankbarkeit, Familie und Freunde. Ich liebe meine Familie über alles.

Glaube, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit – das ist mir wichtig und positiv denken. Auch mal um die Ecke denken, neue Wege gehen und nicht zu sehr überlegen, was die anderen denken. Sich selbst treu bleiben, authentisch sein – das ist wichtig.

Was gibst Du den Kids von heute mit auf den Weg?

Das Lernen für sich zu entdecken. Ich hatte in der ersten Klasse so eine wunderbare Lehrerin, die mir beigebracht hat, dass Lernen etwas ganz Tolles ist. Je mehr man lernt, desto mehr spannende Dinge kann man entdecken.

Für die Kids heute ist es bestimmt insgesamt schwieriger mit dieser ganzen Technik, Smartphones usw. Das ist echt viel. Ich kann nur sagen: Hört auf Euer Herz, macht das, was Euch Spaß macht, geht aber trotzdem zur Schule. Das gehört dazu. Und Dankbarkeit dafür, dass man Mama und Papa hat oder Geschwister, Oma und Opa. Und einfach mal nett sein. Kinder können so grausam sein. Es kommt immer der Moment, wo man als Kind cool sein will und leider ist cool unnett. Keine Ahnung, was da passiert ist...

Dein Motto?

Paul Coelho schreibt im »Alchimist«: Menschen sind immer und zu jedem Zeitpunkt dazu in der Lage, das zu tun, wovon sie träumen, woran sie glauben.

So möchte ich auch leben.